Ruinenindustrie

Ruinen sind ein hochaktuelles Thema. Im Alltag präsent und sichtbar, scheinen sie untrennbar mit dem Kulturkonsum des Einzelnen in der globalisierten Welt verbunden. Aber von welcher Art Ruine reden wir?

Seit Jahrhunderten – genau genommen in der gesamten Geschichte der westlichen Gesellschaft – wurden Ruinen meist als verlassene Trümmer angesehen, die dem Erdboden gleichgemacht oder als Materialgrube und in manchen Fällen als Ausgangspunkt für neue Bauten benutzt wurden.

Die Möglichkeit, eine Arbeit in den Räumen der alten Kirche von Le Noirmont entstehen zu lassen, veranlasste mich dazu, ein Projekt vorzuschlagen, das mir sehr am Herzen liegt. In unserem täglichen Leben werden wir zunehmend von Objekten überwältigt, die wir nicht einmal mehr physisch auswählen, sondern aufgrund von eigens für uns erstellten Bildern und Bewertungen – wie individuell gestaltete Kunstwerke, Dienstleistungen, die anhand von Rechnungen und Algorithmen erstellt wurden, die unsere eigenen Wünsche besser kennen als wir selbst.

Diese Objekte der Begierde werden Wirklichkeit, wenn sie zu uns nach Hause oder in einen Paketshop geliefert werden, wo wir sie dann abholen… Oft sind wir uns nicht einmal bewusst, mit wie vielen nutzlosen Gegenständen und Dingen wir uns selbst und unsere Häuser vollstopfen, und wie viele Kilometer sie zurückgelegt haben, um uns zu erreichen.

Dieses Phänomen lässt sich an einem ganz simplen Gegenstand ablesen: den Verpackungen und Kartons. Massenhaft häufen sie sich vor unserer Haustür, wenn die Müllabfuhr ansteht, oder auf Wertstoffhöfen, wo jeden Samstag scharenweise Fahrzeuge anrollen, die randvoll – ja sogar überfüllt – mit Kisten sind, in den die «Neuankömmlinge» verpackt waren, die nun unsere ausgedienten Objekte ersetzen – nicht, weil diese nicht mehr funktionieren, sondern meist nur, weil sie nicht mehr «nützlich» oder «modisch» sind. Kurzum, wir werfen sie einfach weg, weil sie «alt» sind...

Für die Ausstellung Cabane wollte ich eine Arbeit erschaffen, die unser Augenmerk auf das verführerische Element unseres Kaufverhaltens richtet sowie auf den Einfluss, den es auf unsere Gewohnheiten und unser Leben insgesamt hat. Die Installation nimmt vor allem im Raum des Mittelschiffs und der Apsis Platz. Sie hat das Aussehen einer Hüttenruine, die die Besucher*innen begleitet und sie zur Apsis führt, wo sich ein ebenfalls aus Pappe geformter Altar befindet, der, wie in einer traditionellen Kirche, in seiner Mitte ein heiliges Symbol trägt, in diesem Fall bestehend aus der Verpackung eines ganz bestimmten Objekts, das die Besucher*innen entdecken, wenn sie physisch inmitten des Werks stehen. Mit anderen Worten, das Konzept meines Projekts besteht darin, «Behälter, Schachteln, Kartons, Verpackungen» in den Rang von «heiligen» Objekten zu erheben.